Erfolgreicher Klimastreik in Sonthofen

Die Klimaschützer von Fridays for Future Sonthofen machten bei einer großen Kundgebung in Sonthofen ihre Unzufriedenheit mit der Klimapolitik deutlich. Über 600 Menschen waren vor Ort und forderten lautstark engagierten Klimaschutz.

„Das Wahlprogramm keiner Partei reicht nach wissenschaftlichen Analysen aus, um die im Pariser Klimaabkommen vereinbarten Ziele zu erreichen“, so Ronja Lacher. Zum Wahlprogramm der Grünen sagte die junge Klimaaktivistin: „In 12 Jahren Schule habe ich gelernt: Auch wenn alle anderen ein „ungenügend“ haben, ist ein „mangelhaft“ noch längst nicht „ausreichend“!“. Dementsprechend musste sich Claudia Roth, die als Vizepräsidentin des deutschen Bundestages eingeladen war, fragen lassen, wie denn die nächste Bundesregierung angesichts dieses Versagens der Parteien die Klimakatastrophe abwenden soll.

Claudia Roth bezeichnete es als fatalen Fehler, das Wahlrecht für junge Menschen zu verweigern, denn die nächsten Jahre entscheiden tatsächlich über deren Zukunft, die nicht verzockt werden dürfe. Sie forderte Fridays for Future auf, nicht nachzulassen, um der Politik, auch ihrer eigenen Partei weiter Druck zu machen: „Ich will Fridays for Future explizit als Vizepräsidentin des deutschen Bundestags ganz offiziell meinen allergrößten Respekt aussprechen, meine Anerkennung für Euren Mut, für Eure Kraft, für Eure Ausdauer, für Eure heftige Kritik, die Ihr an allen Parteien übt. Es ist wichtig, dass Ihr nicht nachlasst, mit diesem Druck„. In Anspielung auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts sagte sie, alle, die sich für das Klima einsetzen, sind auch Kämpfer für die Freiheit und auch für die Freiheit von allen Kindern. Deswegen sei der Klimastreik so unfassbar wichtig.

Mit einer lautstarken Fahrrademonstration durch Sonthofen verliehen die Klimaschützer ihren Forderungen nach einem wirksamen Klimaschutz Nachdruck. Bei der anschließenden Kundgebung forderten Aktivisten aller Generationen dazu auf, trotz der unzureichenden Wahlprogramme wählen zu gehen. „Der Weltklimarat IPCC sagt, dass wir nur noch wenige Jahre Zeit haben, um die größte Katastrophe zu verhindern. Die nächste Bundesregierung ist daher entscheidend und Klimaschutz ist nicht nur ein Thema unter anderen, sondern ohne ausreichendem Klimaschutz ist alles andere nichts!“, mahnte Ronja Lacher. „Egal welche Bundesregierung wir bekommen“, so Lacher weiter, „eine Überarbeitung der Klimaschutzprogramme ist dringend nötig“.

Unterstützt wurde sie von den erst 12-jährigen Schüler*innen Lucian, Mia und Lisa, die sich seit Wochen in der Vorbereitung für den Klimastreik engagieren. Auch sie forderten die Zuhörenden auf: „Wählt Klimaschutz! Eltern wählen für Ihre Kinder, denn wir dürfen es nicht, sind aber am meisten von den Folgen betroffen von dem, wie wir heute mit unserer Erde umgehen“.

Der 70-jährige Rudi Kaiserwerth von Oberstdorf for Future bedauerte, dass Mahnungen zum Klimaschutz über 40 Jahre lang weitgehend ignoriert wurden. Erst Anfang des Jahrtausends haben Grüne und SPD  den Atomausstieg durchgesetzt und den Ausbau der erneuerbaren Energien eingeleitet. Er freue sich unglaublich, dass durch Fridays for Future seit einigen Jahren endlich Bewegung in die Sache gekommen ist. Und dass beispielsweise bei der Erzeugung regenerativer Energien weit mehr erreicht wurde, als viele Politiker für möglich gehalten habe. Das zeige: engagierter Klimaschutz ist möglich, wenn der politische Wille da ist. Auch er fordert Menschen seiner Generation auf, ihre Stimme bei der Bundestagswahl zugunsten der Jungen abzugeben.

In einer bewegenden Abschlussrede forderte die Studentin Anna Hiltensberger dazu auf, trotz aller Dramatik der Klimakatastrophe, sich immer wieder bewusst zu werden, in welch herrlicher Welt wir leben dürften. Die Verbundenheit mit der Vielzahl engagierter Menschen, die das Leben und die Natur lieben, gebe ihr Kraft und Zuversicht. Passend zu dieser motivierenden Abschlussrede endete die Kundgebung mit dem Lied „What a wonderful World“, das von Antonia Burger engagiert interpretiert wurde.

Die Veranstaltung war Teil des 8. Globalen Klimastreiks von Fridays for Future. Weltweit streikten wieder mehrere Millionen Teilnehmer, allein in Deutschland gab es Demonstrationen in fast 500 Städten. Über 14.000 renommierte Wissenschaftler aus 150 Ländern warnen vor dem Klimanotstand und fordern sofortiges Handeln. Schon heute haben wir global 1,2 Grad Erwärmung, schon heute gibt es weltweit Überschwemmungen, Dürren, großflächige Waldbrände und weitere Naturkatastrophen, Millionen von Menschen sind schon heute auf der Flucht vor den Folgen des Klimawandels. Möglicherweise werden bereits jetzt Kipppunkte überschritten, die unumkehrbare Kettenreaktionen in Gang setzen wie Waldbrände und auftauenden Permafrost, die weitere Klimagase freisetzen. Diese Entwicklung kann dann höchstwahrscheinlich nicht mehr durch menschliches Handeln gestoppt werden.

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