Fahrradklimatest – Die Ergebnisse

Seit wenigen Tagen liegen die Ergebnisse des Fahrradklimatests vor. Zur Erinnerung: jeder Bürger konnte im letzten Herbst seine Gemeinde bezüglich der Qualität der Fahrradinfrastruktur beurteilen. Gegenüber dem Test 2018 haben mit 230 000 Bürgern in Deutschland rund 34 % mehr teilgenommen. Insgesamt kamen 1024 Städte und Gemeinden in die Wertung. Im Bereich unter 20000 Einwohnern hat sich die Anzahl der gewerteten Gemeinden verdoppelt und der Anteil der Pedelecs hat sich hier auf 30 % erhöht.

Zum ersten Mal im Oberallgäu teilgenommen haben die Orte Immenstadt, Sonthofen und Oberstdorf. Mindestens 50 Teilnehmer waren erforderlich um in die Wertung zu kommen. Alle drei haben es geschafft.

Wie schon im Allgäuer Anzeiger zu lesen hat, hat Sonthofen mit 136 Teilnehmern auf Anhieb den Vogel abgeschossen: Platz 1 mit Gesamtnote 3,31 in der Rangliste der bayerischen Städte zwischen 20000 und 50000 Einwohner. Die fahrradfreundliche Haltung des Sonthofener Stadtrats und der Verwaltung zahlt sich so aus!

Immenstadt liegt mit 87 Teilnehmern auf Platz 67 von insgesamt 101 gewerteten Gemeinden in der Kategorie bis 20000 Einwohner (Gesamtnote 3,96) in Bayern.

Oberstdorf hat in der gleichen Kategorie in Bayern mit 70 Teilnehmern einen ordentlichen Platz 27 mit Gesamtnote 3,58 in der Rangliste der Gemeinden unter 20000 erreicht.  Trotzdem ist für Verbesserung noch deutlich Luft nach oben.

Die Details
Fahrrad und Verkehrsklima 3,4
Spaß am Radfahren 2,8
Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer 3,2
Fahren Alt und Jung? 2,7
Werbung für Radeln 4,2
Medienberichte 4,0

Die Punkte Werbung für Radeln und Medienberichte ziehen die Gesamtnote deutlich nach unten. Offensichtlich gibt es hier deutliche Defizite in der Kommunikation bei unserer Gemeinde und unserer Allgäuer Zeitung.

Stellenwert des Radverkehrs 4,0
Fahrradförderung in jüngster Zeit 4,6
Falschparkerkontrolle auf Radwegen 4,2
Reinigung der Radwege 3,4
Ampelschaltungen für RadfahrerInnen 4,3
Winterdienst auf Radwegen 3,6

Die Gesamtnote von 4,0 begeistert nicht. Reinigung und Winterdienst haben brauchbare Werte, alles andere ist stark verbesserungsfähig.

Sicherheit des Radfahrens 3,8
Sicherheitsgefühl 3,6
Konflikte mit Fußgängern 4,3
Konflikte mit Kfz 3,9
Hindernisse auf Radwegen 3,7
Fahrraddiebstahl 3,1
Fahren im Mischverkehr mit Kfz 4,0

Fahrraddiebstahl wird wohl eher unkritisch bewertet, aber die Konflikte mit Fußgängern und Kfz sowie das Fahren im Mischverkehr mit Kfz fallen auf. Vor allem an diesen Stellen gibt es noch Raum für Verbesserung.

Komfort beim Fahrradfahren 4,2
Breite der Radwege 4,1
Oberfläche der Wege 3,8
Abstellanlagen 4,0
Führung an Baustellen 4,5
Fahrradmitnahme im ÖPNV 4,8

Dies ist die am schlechtesten beurteilte Kategorie mit Note 4,2. Wie z.B. die Baustelle am neuen Busbahnhof exemplarisch gezeigt hat, werden für Fahrradfahrer keine Erleichterungen eingeplant. Das führt mit zu dieser Note. Es verwundert auch nicht, dass die Fahrradmitnahme im ÖPNV mit dem schlechtesten Wert beurteilt wird.

Infrastruktur Radverkehrsnetz 2,5
Erreichbarkeit Stadtzentrum 1,9
Zügiges Radfahren 2,1
Geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung 1,9
Wegweisung für Radfahrer 2,8
Öffentliche Fahrräder 3,5

Die Radinfrastruktur wurde mit Note 2,5 und damit am besten bewertet. Die Erreichbarkeit des Ortszentrums sowie die überall in Gegenrichtung befahrbaren Einbahnstraßen sorgen für die besten Noten über alle Fragen gesehen.  Verbesserungsbedarf wird noch bei der Wegweisung und den Leihfahrrädern gesehen.

Fazit

Mit der Gesamtnote von 3,58 liegt Oberstdorf besser als der Durchschnitt der Gemeinden in Deutschland (3,9). Bezogen auf alle Gemeinden in Deutschland liegt es auf Platz 103 von 418. Eine Note von 3,56 ist allerdings noch kein Grund zum Jubeln. Wie sich gezeigt hat gibt es noch viel Verbesserungsbedarf insbesondere bei der Fahrradmitnahme im ÖPNV, bei der Baustellenführung, bei den Konflikten mit Fußgängern und Kfz, der Breite der Radwege und der Güte der Abstellanlagen. Die Teilnehmer wünschen sich bessere Werbung fürs Radfahren von der Gemeinde und positivere Medienberichterstattung sowie generell einen höheren Stellenwert für das Radfahren.

Die gesamten Ergebnisse mit allen Details können auf den Seiten des ADFC nachgelesen werden. Besonders interessant ist der Überblick sowie die Rangliste nach Ländern.

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